(Fortsetzung aus „Oststeinbek Aktuell“ Juli/August)
Bei der Schaffung von bezahlbaren Wohnungen kommen wir zu langsam voran. In der Gemeindevertretung wurde der zuvor vom Bauausschuss auf unsere Initiative hin gefassten Beschluss, die alte Grundschule noch in diesem Jahr auf Schadstoffe zu untersuchen, ausgebremst. Immerhin konnten wir erreichen, dass das Vorhaben im nächsten Jahr angegangen werden soll.
Ein Schadstoffkataster ist zwingend nötig, um überhaupt entscheiden zu können, ob die seit fast einem Jahr leerstehenden Schulgebäude weiter nutzbar sind oder ob das Gelände für neue Nutzungen – etwa bezahlbaren Wohnraum – vorbereitet werden kann. Ohne diese Untersuchung bleibt jede Option reine Spekulation.
BÜRGERMEISTER SOLL VERHANDELN
Auch um das Gelände nördlich des Breedenwegs wird weiter gerungen. Hier haben wir immerhin erreicht, dass mindestens ein Drittel der dort bis zu 250 möglichen Wohnungen bezahlbar sein soll. Wir wollen, dass der Bürgermeister über den Kauf des auch als BPlan 45 bekannten Grundstücks verhandelt. Erst dann wissen wir, was die Umsetzung kosten würde und können entscheiden. Unklar ist noch, ob unsere Verwaltung ein solches Großprojekt stemmen kann. Wir wollen jedenfalls die Chance nicht verstreichen lassen.
Ob eine rasche Einigung möglich ist, muss sich vor dem Hintergrund der Haushaltslage erweisen. Denn wie bei der Feuerwehr gilt auch hier: Oststeinbek verfügt zwar aufgrund von hohen Gewerbesteuernachzahlungen über eine gute Liquidität. Das sollte uns aber nicht dazu verleiten, leichtsinnig zu werden. Bei einem „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ (mehr als zehn Millionen Euro), der für den Kauf des Grundstücks im Raum steht, sollten wir sorgfältig abwägen – auch mit Blick auf die schwache Konjunktur. Wir brauchen Rücklagen für schwierigere Zeiten.
WAS IST BEZAHLBARER WOHNRAUM?
Gleichzeitig bedeutet das Projekt eine große Chance. Viele Bürgerinnen und Bürgern wünschen sich mehr günstige Wohnungen. Das zeigen auch die vielen Suchmeldungen im Internet. Die dort angebotenen Wohnungen sind vielfach zu teuer.
Doch was ist eigentlich „bezahlbarer Wohnraum“? Gemeint sind Wohnungen oder Häuser, deren Miet- oder Wohnkosten so niedrig sind, dass Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen sie dauerhaft bezahlen können, ohne finanziell überfordert zu sein.
Als Faustregel gilt: Die Miete inklusive Nebenkosten sollte nicht mehr als 30 bis 35 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens betragen.
Wir wollen, dass bei neuen Projekten mindestens ein Drittel der Wohnungen erschwinglich ist – also staatlich gefördert wird oder nach einem Genossenschaftsmodell organisiert ist.
Das von Gegnern vorgebrachte Argument, Oststeinbek dürfe nicht über 9.000 Einwohner hinauswachsen, halten wir – wie schon mehrfach betont – für nicht zeitgemäß. Es missachtet die Lage vieler Menschen und blendet aus, dass Oststeinbek am Rand Hamburgs nicht so tun kann, als wäre es ein abgeschiedenes Idyll. Die Metropolregion wächst und zieht Menschen an. Diese suchen Wohnungen – auch in Oststeinbek.
Einige befürchten, die Infrastruktur (Kindergärten, Schule, Verkehrswege) würde dadurch überfordert. Was dabei übersehen wird: Die Zahl der Kinder geht zurück. Andere Kommunen müssen bereits Kitas schließen. Oststeinbek zum Glück noch nicht. Aber diese Entwicklung wird auch vor unserer Gemeinde nicht Halt machen.
Wir wollen das Thema Wohnraum gemeinsam mit den anderen Parteien in der Gemeindevertretung vorantreiben. Dazu bietet sich das Gelände des BPlan 45 an. OWG, SPD und Grüne sind weitgehend einig: Die Gemeinde soll das Gelände erwerben. Strittig ist der Preis.
– von Jan Schwartz