SZENARIEN – Budni-Filiale zwischen Hoffen und Bangen

Eine politische Abwägung von Jan Schwartz

Was wir wissen: Die Geschäftsführung von Budnikowsky und der Immobilienunternehmer Horst Gibbesch aus Bargteheide verhandeln seit nunmehr vier Monaten über die Bedingungen für einen neuen Mietvertrag. Die Budni-Filiale an der Möllner Landstraße in Oststeinbek steht wirtschaftlich unter Druck, weil Kosten für Personal, Energie, Miete und die Konkurrenz von Rossmann im Gewerbegebiet die Gewinnmarge schmälern. Deshalb hatte Budni unlängst den aktuellen Mietvertrag zum 1. April 2027 gekündigt. Gleichzeitig erklärte die Geschäftsführung, in Oststeinbek bleiben zu wollen. Dazu trägt erwiesenermaßen auch der enorme Zuspruch der Oststeinbeker:innen zu einer von den Grünen initiierten Unterschriftensammlung bei. Diese geht mit einer Selbstverpflichtung der Unterstützenden zum Einkaufen in der Ortsmitte einher.

Zuletzt bewegten sich beiden Parteien aufeinander zu. Ein Abschluss war aber noch nicht in Sicht. Je nachdem, wen man fragte, musste sich die andere Seite noch bewegen, damit ein Vertrag geschlossen werden kann – oder die Bedingungen waren wirtschaftlich so nicht darstellbar.

Wie die Verhandlungen am Ende auch ausgehen mögen, Budni wird die Kosten an dem Standort senken müssen. Ob durch weitere Flexibilisierung beim Personal oder eine höhere Automatisierung mit 24/7-Self Service, ist noch nicht bekannt. Möglich ist auch eine Kombination aus beidem. Branchenexperten halten für denkbar, dass die Geschäftsführung vermehrt auf Kaufautomaten setzt und die Zeiten, an denen die Filiale mit Personal besetzt ist, einschränkt. Ein Vorteil wäre, dass die Filiale erhalten bliebe. Käufer und Käuferinnen müssten sich allerdings an digitale Kassensysteme gewöhnen. Die ältere Dame, die mit dem Portemonnaie in der Hand zur Kassiererin sagt: „Fräulein, bitte nehmen Sie sich, was sich brauchen“ – wird sich umstellen müssen. Dabei sollte Budni helfen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

SZENARIO 1 – Der Drogeriemarktbetreiber einigt sich mit dem Immobilienunternehmer auf einen neuen Mietvertrag, der Budni durch bestimmte Klauseln Spielraum gibt. Im Wesentlichen bliebe aber alles, wie es ist. Die drohende Schließung, die 2019 schon einmal verhindert werden konnte, wäre um einige Jahre hinausschoben. Der Imageverlust durch eine Schließung wäre vertagt – mit der Hoffnung, dass sich die Menschen damit abfinden. (Die hoffentlich unwahrscheinlichste Variante.)

SZENARIO 2 – Budni und der Vermieter einigen sich nicht, die Drogeriemarktkette in der Ortsmitte schließt. Zurück bleiben viele Verbraucher, vor allem ältere Menschen, die fußläufige Einkaufsmöglichkeiten schätzen. Weitere Geschäfte könnten folgen, der Ortskern würde weiter veröden. Daran würden auch Pläne der Verwaltung zur Steigerung der Attraktivität des Marktplatzes nichts ändern. (Eine zwar pessimistische, aber weiterhin denkbare Variante).

SZENARIO 3 – Der Drogeriemarktbetreiber einigt sich mit dem Vermieter auf einen langjährigen Mietvertrag, der Budni auskömmliche Bedingungen an dem Standort ermöglicht. Das würde bedeuten, dass der Immobilienunternehmer Horst Gibbesch noch weiter auf die Forderungen von Budnikowsky eingeht. Im Gegenzug wäre Budni zu massiven Einsparungen gezwungen. Das Ergebnis wäre vermutlich eine Digitalisierung der Filiale. Der Prozess ist schon an anderen Orten zu beobachten.

SZENARIO 4 – Der Vermieter spielt auf Zeit und setzt darauf, dass er einen anderen Mieter für die Immobilie an der Möllner Landstraße findet, um seine Forderungen durchzusetzen. An die Stelle von Budni könnte ein anderes Einzelhandelsgeschäft rücken. Fraglich ist allerdings, wer angesichts der Konkurrenz durch den Lebensmitteleinzelhändler Netto in der Kaufpassage dafür in Frage käme. In diesem Fall wäre ein Fitnessanbieter der wahrscheinlichste verbleibende Interessent. Damit würde die Politik auf den Plan gerufen, um dies zu verhindern. Der B-Plan könnte so geändert werden, dass bestimmte Nutzungen an dem Standort ausgeschlossen sind.